Herpes bei Pferden – Tödliche Bedrohung im Stall

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Erkrankten Pferden geht es richtig schlecht! Und sie können sterben.

Was zunächst wie eine harmlose Erkältung aussieht – ein wenig Schnupfen, Husten, leichtes Fieber – kann sich schnell als ernsthafte Bedrohung entpuppen: Hoch ansteckende Herpesviren sind häufig die Ursache und bringen teils dramatische Folgen mit sich. In den vergangenen Wochen häuften sich die Fälle, Ställe wurden abgeriegelt, Turniere und Zuchtveranstaltungen mussten abgesagt werden.

Was ist Herpes? Herpes bei Pferden ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die bei ca. 90 Prozent der Pferde latent schlummert. Die Viren ziehen sich in die Nervenzellen zurück, wo sie vom Immunsystem nicht erreicht werden können. Das Virus kann nicht eliminiert werden – ein einmal erkranktes Pferd bleibt lebenslang Virusträger.

Wie kommt es zum Herpesausbruch? In Stresssituationen (Transporte, andere Erkrankungen, seelischer Kummer) kann  sich Herpes bei Pferden aktivieren. Das muss aber nicht mit klinischen Symptomen einhergehen. Im Blut befinden sich Antikörper, die ungewünschte Eindringlinge abwehren. So lange sich die Herpesviren also im Blutkreislauf befinden und der Antikörperspiegel hoch genug ist, schützt das Immunsystem den Organismus.

Vier Typen des Equinen Herpesvirus

Es gibt vier Typen des Equinen Herpesvirus. Relevant sind aktuell insbesondere EHV 1 und 4. Vor allem EHV 1 führt zu Virusabort (Verfohlen) oder der Geburt lebensschwacher Fohlen. Die Stuten zeigt meist keine Krankheitssymptome, verliert aber zwischen dem siebten Trächtigkeitsmonat und dem Geburtstermin ihr Fohlen. Kommen die Fohlen lebend zur Welt, sterben sie meistens wenige Tage nach der Geburt.

EHV 4 (aber auch 1) verursacht fieberhafte Atemwegserkrankungen (Rhinopneumonitis). Die Pferde haben Fieber, oft auch über 39° Celsius. Es gesellen sich wässriger Nasen- und Augenausfluss sowie Husten hinzu. Der zunächst harmlose Verlauf kann schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa eine bakterielle Infektion hinzukommt.

Lähmungserscheinungen: Herpes bei Pferden

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Um zu verhindern, dass an Herpes errankte Pferde sich hinlegen, werden sie mitunter in solche Tragegeschirre gehängt.

Vor allem EHV 1 kann das Nervensystem schädigen (paretisch-paralytischer Verlauf). Die Folge: Lähmungserscheinungen und Koordinationsstörungen. Anfangs macht sich die Krankheit nur durch leichtes Fieber bemerkbar. Einige Tage später zeigen die Pferde einen schwankenden, unkoordinierten Gang oder gleich Lähmungserscheinungen, insbesondere der Hinterhand.

Der Grund: Es kommt zu Einblutungen ins Rückenmark und dadurch zu Funktionsstörungen bis hin zum Absterben bestimmter Nervenbereiche. Manche Pferde verhalten auch Kot und Urin (Penislähmung). Unter Umständen kann der Tierarzt hier nur noch eine erlösende Spritze geben.

Tröpfcheninfektion oder indirekte Übertragung

Meistens überträgt sich Herpes bei Pferden durch Tröpfcheninfektion. Weil die klimatischen Bedingungen dafür in der nasskalten Jahreszeit am günstigsten sind, tritt Herpes in der Regel in der Übergangszeit zwischen Winter und Frühjahr auf. Möglich ist aber auch die indirekte Übertragung, z. B. durch Kontaktpersonen, Putzzeug, Futter- oder Wassereimer, Schubkarren etc.

Die Mutterstute kann das Virus auf ihr ungeborenes Fohlen übertragen. Daraus folgt, dass Pferde auf zweierlei Arten durch das Herpesvirus bedroht sind: zum einen, weil die Viren in den meisten Pferden ohnehin schlummern, zum anderen kommt außerdem noch der Infektionsdruck von außen hinzu.

Diagnose: Herpes bei Pferden

Bei einem Verdacht ist eine genaue Diagnose des Virus sehr sinnvoll, um schnellstmöglich die nötigen Hygienemaßnahmen vornehmen zu können. Der Tierarzt beprobt das Pferd und schickt das Material an ein zugelassenes Labor (z. B. in Wien, Berlin oder Ludwigsburg). Entweder man kann das Virus direkt in Blut, Sekreten oder auch Gehirnflüssigkeit nachweisen, oder aber in zwei Blutproben im Abstand von einigen Tagen über die Antikörper.

In NRW leitet Dr. Lutz Ahlswede übrigens ein Diagnoseprojekt, das von der Tierseuchenkasse NRW gesponsert wird. Bei entsprechendem Verdacht können (für Mitglieder der Tierseuchenkasse) kostenlose Diagnosen durchgeführt werden. Dr. Ahlswede und seine Kollegen hoffen, so Informationen über die Infektionskrankheiten zu erhalten, die dabei helfen sollen, künftig besser mit ihnen umgehen zu können.

Behandlung nicht möglich

Die Herpesviren selbst kann man nicht bekämpfen. Auch das macht die Krankheit so tückisch. Man kann nur versuchen, das Immunsystem des Pferdes zu unterstützen. Man behandelt darum lediglich die Symptome.

Das Pferd bekommt entzündungshemmende sowie Medikamente, die den Kreislauf und das Immunsystem unterstützen. Es hat sich zudem bewährt, zusätzlich Vitamin-B-Präparate zu verabreichen. Kommt zu dem viralen noch ein bakterieller Infekt hinzu, muss man dem Pferd ein Antibiotikum verabreichen.

Ausbreitung verhindern

Erkrankte sollten unverzüglich von den gesunden Tieren getrennt werden. Sie dürfen weder direkt noch indirekt (z. B. über Menschen, Putzzeug, Futterwagen, Eimer, Mistgabeln, Schubkarren etc.) Kontakt zu den noch nicht infizierten Pferden haben.

Die Betreuer der Pferde sollten Schutzkleidung tragen und sich für den Aufenthalt bei den gesunden Pferden umziehen, Hände waschen, desinfizieren und Desinfektionswannen für die Füße nutzen. Man sollte den Stall für mindestens drei Wochen unter Quarantäne stellen. Das heißt, kein Pferd verlässt den Stall, kein Pferd kommt von außen auf die Anlage.

Herpes bei Pferden: Nachsorge

Das Herpesvirus kann in den Ställen noch zwei bis drei Monate überleben. Daher ist nach Abklingen der klinischen Symptome eine Grunddesinfektion der Stallungen unumgänglich. Auch Pflegegegenstände, Sattelzeug, Halfter, Decken, Gamaschen usw. sollten gründlich gereinigt werden.

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