Mein Pferd ist fit! Aber für was eigentlich? Für den Tagesausritt, das A-Springen, die M-Dressur, den CCI4*-L? Fit zu sein, ist ein dehnbarer Begriff – einen allgemeingültigen Plan für das Konditionstraining gibt es deshalb nicht. Aber ein paar Tipps anhand derer man sich seinen individuellen Plan erstellen kann.
„Man muss wissen, wo man hin will“, sagt Anna Siemer. Bevor man mit dem Konditionstraining beginnt, sollte man sich deshalb einige Fragen stellen: Was für ein Pferd habe ich? An welchem Punkt stehen wir? Was möchte ich mit diesem Pferd erreichen? Wenn einem der aktuelle Standpunkt bewusst ist und die persönlichen Ziele definiert sind, verschafft das bereits einen besseren Überblick. So lässt sich gezielter bestimmen, in welche Richtung das Konditionstraining gehen muss.
Die Vielseitigkeitsreiterin hat für sich selbst folgenden Richtwert aufgestellt. Bevor es zum Turnier geht, muss ein Pferd das Anderthalbfache der reinen Geländestrecke galoppieren können, die auf dem Turnier abverlangt wird.
Ziele setzen und sinnvoll trainieren
Bei einem bevorstehenden zehnminütigen Geländekurs bedeutet das, dass Siemers Pferd in der Turniervorbereitung 15 Minuten galoppieren können muss. Dieses Training absolviert die Reiterin mit ihren Pferden am Berg, allerdings ohne Hindernisse und immer nur in Intervallen. Die 15 Minuten werden also bspw. auf drei Abschnitte à fünf Minuten eingeteilt. Aber das Ziel ist klar.
Springtrainer Lars Meyer zu Bexten rät darüber hinaus, sich in regelmäßigen Abständen immer wieder mit seinem Trainingsplan zu befassen und dabei den Ist-Zustand und die Zielsetzung regelmäßig zu aktualisieren. So behält man den Überblick und das Bewusstsein für das richtige Training.
Konditionstraining fürs Pferd auf lange Sicht
Konditionstraining sollte immer über einen langen Zeitraum angelegt werden. Nur so ist es möglich, die Kondition des Pferdes schonend und gleichzeitig zielführend aufzubauen. Denn für jedes Freizeit- und Sportpferd gilt: Eine gute Kondition hält das Pferd gesund und verringert das Verletzungsrisiko.
Konditionstraining ist damit nicht nur für Sportpferde wichtig, sondern für jedes Pferd, das geritten oder gearbeitet wird. Denn auch ein Pferd, das im Rahmen eines Tagesausrittes seinen Reiter über mehrere Stunden durch Wald und Wiesen trägt, muss auf diese Aufgabe sowohl körperlich als auch psychisch vorbereitet werden.
Darüber hinaus benötigen sowohl die primären als auch die sekundären motorischen Grundeigenschaften konstantes Training über eine gewisse Dauer, damit sich positive Trainingseffekte bemerkbar machen. Last Minute-Konditionstraining zwei Wochen vor einem anstehenden Turnier oder Wanderritt ist deshalb nicht erfolgversprechend.
Für die Psyche: Trainingspartner suchen
Auch die Psyche des Pferdes spielt eine wichtige Rolle im Rahmen des Konditionstrainings. Birgit Bork von der Vereinigung der Freizeitreiter (VFD) erklärt: „Mentale Anspannung führt dazu, dass das Pferd auch muskulär nicht locker ist.“
Deshalb ist es sinnvoll, sich einen Trainingspartner zu suchen. Vor allem, wenn man im Gelände trainiert, wo die Pferde vielen unterschiedlichen Reizen ausgesetzt sind. Wenn sie dann jedoch einen Artgenossen bei sich haben, sind Pferde häufig gelassener und auch körperlich lockerer und damit empfänglicher für andere Trainingsreize.
Grundkondition: Unabhängig von Zielen
Unabhängig von den individuellen Zielen eines jeden Reiter-Pferd-Paares, die eine spezielle Leistungskondition erfordern, sollte man die Grundkondition trainieren. Birgit Bork weist hier auf das Long Slow Distance Training hin – eine mögliche Form des Aufbaus von Grundkondition. Dabei werden im langsamen Tempo, im Schritt oder ruhigen Trab, längere Distanzen zurückgelegt.
Auch Anna Siemer nutzt diese Trainingsform für das Grundlagentraining ihrer Pferde. Statt einer bestimmten Anzahl an Kilometern achtet sie auf die Dauer des Trainings, die bei ihr in diesem Fall zweimal 20 Minuten traben bedeutet. Eine weitere wichtige Komponente dabei ist, dieses Grundlagentraining im Gelände auf unterschiedlichen Böden durchzuführen. Dabei bekommt das Pferd unterschiedliche Reize und man trainiert Beine und Gelenke mit; das Pferd muss reagieren und sich dem Boden anpassen.
Pausen machen: Konditionstraining fürs Pferd
Positive Trainingseffekte entstehen nur, wenn das Pferd auch Zeit zur Erholung bekommt. Ist man an einem Tag lange durch hügeliges Gelände geritten oder hat Galopptraining absolviert – also einen Trainingsreiz gesetzt – braucht das Pferd am nächsten Tag eine Regenerationspause.
Das bedeutet nicht, dass man das Pferd nichts tun lässt, aber man sollte es nicht erneut denselben körperlichen Herausforderungen aussetzen. Ein Weidetag, lockeres Longieren oder Bodenarbeit sind Alternativen, bei denen das Pferd sowohl ausreichend Bewegung als auch Erholung erhält.
Trainingstagebuch führen: Prozesse und Erfolge
Mit einem Trainingstagebuch kann man Trainingsprozesse dokumentieren und Trainingserfolge überprüfen. Die Dokumentation eignet sich, um den Überblick zu behalten, sein Training immer wieder zu überdenken, neu zu justieren und an neue Ziele oder Anforderungen anzupassen. Dazu eignet sich sowohl ein klassisches Tagebuch mit Stift und Papier als auch eine entsprechende App – Hauptsache es bleibt übersichtlich.
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